{"id":330,"date":"2015-01-11T13:09:58","date_gmt":"2015-01-11T12:09:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/?page_id=330"},"modified":"2018-11-28T17:50:11","modified_gmt":"2018-11-28T16:50:11","slug":"shareholder-value","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/buecher\/shareholder-value\/","title":{"rendered":"Shareholder Value"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Inhalt:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der L\u00f6we Ludwig T\u00f6berlin, Generaldirektor einer gro\u00dfen Bank verl\u00e4sst die Finanzwelt und entwickelt im Exil \u201eein Spiel\u201c mit Hilfe dessen der Nachwuchs das \u201eSpiel liberale Marktwirtschaft\u201c begreifen und partizipieren kann. Far, seine Geliebte, ein Panter, ist ihm gefolgt. Sie will ihr Fell weghaben. Ludwig soll es ihr ausziehen. Er kann es nicht, es gibt keinen \u201eunbespielten Ort\u201c. Far, getrieben vom Bewusstsein einer Existenz unter dem Fell, wei\u00df gehen zu m\u00fcssen. Sie denkt ein Mensch sein zu k\u00f6nnen.<br \/>\nGregg, ein Bison mit Schweinebauch, als L\u00f6we verkleidet, Vorstand der Bank kommt und will das Spiel haben. Die letzte Unterschrift, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Der Nachwuchs will sich am System gefallen. Das System bietet die Bandbreite der M\u00f6glichkeiten. Aber Gregg liebt Far, verzweifelt, er durchschaut das Spiel, wei\u00df den L\u00f6wen zu spielen, um nicht als bekanntes Schwein in der Masse unterzugehen. Er kennt den Betrug, kuscht vor dem Alten, T\u00f6berlin und der Angst vor dem \u201egro\u00dfen Loch\u201c au\u00dferhalb des Systems.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Far geht. Vor der T\u00fcr des Exils begegnet sie den Randerscheinungen der etablierten Realit\u00e4t. Sie trifft Minaud, eine ehemalige Freundin, eine Therapeutin ohne Fell. Far will zu ihr, von ihrer \u201eArt\u201c ber\u00fchrt werden, um vielleicht das Fell los zu werden. Aber Minaud weicht zur\u00fcck. Far erlebt fragmentarisch Situationen einer sonst \u201ebekleideten\u201c Realit\u00e4t. Die Grausamkeit hinter dem Schein des funktionierenden Marktes. Auf einem Schachbrett m\u00fcht sich ein Bauer vorw\u00e4rts. Far sieht den Bauern nach den Regeln des Schachs einen L\u00f6wen, die Figur des K\u00f6nigs t\u00f6ten. Aber ein neuer L\u00f6we betritt das Spiel, entgegen der Regeln. Analog der \u201eNaturgesetzlichkeit des freien Marktes\u201c aber entgegen der ratifizierten Gesetze t\u00f6tet der L\u00f6we den Bauern. Far sieht zu. Eine Assel, ein kleines M\u00e4dchen aus den ehemaligen Kolonien der dritten Welt verliert ihr Augenlicht zu Gunsten eines blinden Jungen der zivilisierten Gesellschaft. Far will zur\u00fcck zu T\u00f6berlin, hilflos, sie sucht Schutz. Kurz bevor sie durch die T\u00fcr ins Exil zur\u00fcckfindet, f\u00e4llt Minaud von oben herab, ihr vor die F\u00fc\u00dfe. Minaud ist ersch\u00f6pft. Far bittet sie, ihr das Fell auszuziehen, Minaud ist nicht mehr ansprechbar. Sie, die Therapeutin begreift \u201edas Schreien der Menschlichkeit unter dem Fell\u201c mit ihren H\u00e4nden. Es ist zu viel. Sie kann nicht mehr antworten und kapituliert vor dem \u201egro\u00dfen Loch\u201c, das alle fliehen. Minaud zieht ein Fell an und geht in das System zur\u00fcck.<br \/>\nGregg stylt sich. Vor der T\u00fcr zu T\u00f6berlin trifft er auf die ersch\u00f6pfte Far. Far zieht vor ihm ihr Fell aus. Sie verl\u00e4sst den Panter unter Schmerzen und sieht die Wirklichkeit der unterentwickelten Menschlichkeit. Der Hunger tritt auf und bittet Far um Hilfe. Gregg antwortet souver\u00e4n. Er t\u00f6tet den Menschen, der hungert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bl\u00e4tter wehen. Ein gro\u00dfer Baum des Dschungels f\u00e4llt. Der Baum, als Kultur, in der T\u00f6berlin gro\u00df geworden ist, ist nicht mehr da. T\u00f6berlin, ohne seinen Baum, ist ein kleiner Junge. Er hat es immer gewusst, nur ein \u201ekleiner, kleiner Mensch\u201c zu sein. \u201eZu mehr hat es die Kultur, die Wirklichkeit noch nicht gebracht.\u201c Gregg kommt und will das Spiel haben. Der Hunger tritt auf, er will ges\u00e4ttigt werden. Drei H\u00fchner fressen Mais und sehen fern. Gregg erw\u00fcrgt den Hunger, obwohl er wei\u00df, dass der Hunger auferstehen wird. Es werden immer wieder Menschen Hunger haben. Gregg flieht verzweifelt. Far geht. \u201eWo gehst du hin? Hinaus?\u201c \u201eJa, hinaus aus der Kumulation der Negation, hinein in meine Menschlichkeit.\u201c Sie ist zur\u00fcck in der Realit\u00e4t, wieder im Widerstand. Die Presse schart sich um sie. Auch T\u00f6berlin kehrt zur\u00fcck. Er will ein neues Spiel erfinden. Das Ziel des Spieles ist die Befriedigung von Figuren wie Far. Das w\u00fcrde die Menschheit voranbringen. Far kennt eine Kultur ohne Spielfiguren, wo mit dem Leben nicht gerechnet werden kann. Er m\u00f6chte ihr so gerne nachrufen k\u00f6nnen: Ich liebe dich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Textausschnitt:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nSie ist auf der Seite des Widerstandes, sie wei\u00df es noch nicht. Aber irgendwann wird sie es wissen. Und ich dachte ich erz\u00e4hle es dir bis in die Nacht hinein, und weil ich dein Feind bin, du es aber noch nicht wei\u00dft, werde ich dich anl\u00fcgen!<br \/>\nFAR:<br \/>\nAnl\u00fcgen.<br \/>\nT\u00d6BERLIN:<br \/>\nH\u00e4tte ich es dir sagen k\u00f6nnen: Meine Antwort ist nur das Mittel daf\u00fcr, um ihnen drei Stunden gegen\u00fcbersitzen zu k\u00f6nnen?<br \/>\nFAR:<br \/>\nIch habe mich verliebt, in das was du sagtest.<br \/>\nT\u00d6BERLIN:<br \/>\nDu hast dich zur\u00fcckgelehnt und hast ganz ganz ganz tief eingeatmet &#8230;<br \/>\nFAR:<br \/>\nIch war getroffen.<br \/>\nT\u00d6BERLIN:<br \/>\nIch wollte dich fressen &#8230; ich zitierte all jene, die den Weltw\u00e4hrungsfond abschaffen wollen, die Fiskalparadiese schlie\u00dfen, die Nahrungsmittelb\u00f6rse liquidieren, die Auslandsschulden der \u00e4rmsten L\u00e4nder streichen und eine \u00f6ffentliche Fusionskontrolle einf\u00fchren wollen &#8230; ich wusste was die Unschuldigen h\u00f6ren m\u00fcssen, um sich zu verlieben.<br \/>\nFAR:<br \/>\nDie Welt geh\u00f6rt dir.<br \/>\nT\u00d6BERLIN:<br \/>\nNein, sie geh\u00f6rt Himmel und H\u00f6lle, Idee und Praxis.<br \/>\nFAR:<br \/>\nDu sagtest: Dass die linke Hand des Staates das Gef\u00fchl hat, dass die rechte Hand nicht mehr wei\u00df, oder schlimmer, nicht wissen will, was die linke Hand tut. Auf jeden Fall will sie den Preis daf\u00fcr nicht bezahlen.<br \/>\nT\u00d6BERLIN:<br \/>\nDu bist geschmolzen.<br \/>\nFAR:<br \/>\nJa.<\/p>\n<p><em>T\u00f6berlin umwirbt sie. Er k\u00fcsst sie. Far ist still.<\/em><\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nNach einer Woche schon kamst du zur\u00fcck und sagtest. Mein lieber Ludwig T\u00f6berlin &#8230; sie haben mich au\u00dferordentlich belogen, ihre L\u00fcge ist so gro\u00dfartig, wie ihre neoliberale Realit\u00e4t. Ihre L\u00fcge ist so einzigartig entgegen ihrer Realit\u00e4t, dass ich sie der Opposition als neue Grundlage im Dienste des Widerstandes verkauft habe. Ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Pamphlet! Der Widerstand hat es begeistert aufgenommen und mich zwischen ihre Reihen gestellt, ich denke, schreibe, f\u00fchle gegen sie, lieber Herr Ludwig T\u00f6berlin, auf Wiedersehen.<br \/>\nFAR:<br \/>\nDu hast es dir gemerkt.<br \/>\nT\u00d6BERLIN:<br \/>\nIch habe dich durch meine L\u00fcge zur Figur gemacht.<\/p>\n<p><em>Schweigen<\/em><\/p>\n<p>FAR:<br \/>\nIch will mein Fell weg haben.<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nDorthin, wo du hergekommen bist, unschuldig, nackt.<\/p>\n<p>FAR:<br \/>\nJa. Dort hin.<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nNiemand wei\u00df wo das ist.<\/p>\n<p>FAR:<br \/>\nWenige.<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nIch ertrage das nicht, Far!<\/p>\n<p>FAR:<br \/>\nDu begehrst, Ludwig.<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nAber nat\u00fcrlich, es ist doch nur nat\u00fcrlich. Du negierst immer die Nat\u00fcrlichkeit.<\/p>\n<p>FAR:<br \/>\nIch will mein Fell weg haben.<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\n<em>verzweifelt<\/em> Aber du wei\u00dft doch, dass es deine Haut ist!<\/p>\n<p>FAR:<br \/>\nWas ist, wenn wir uns nicht mehr in Menschen zur\u00fcck verwandeln k\u00f6nnen? Vielleicht schaffen sie das ab?<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nWieder unschuldig sein? Ein reiner Mensch? Du negierst die Welt, statt die Gesetzlichkeit zu akzeptieren und dich darin zu bewegen. Wie geschmeidig du hier in geworden bist, und findest keinen Gefallen daran?<br \/>\nFAR:<br \/>\nMir ist ein Fell gewachsen, Ludwig, und jetzt will ich es wieder weg haben.<\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nBer\u00fchre mich.<\/p>\n<p><em>Far f\u00fchrt ihre H\u00e4nde langsam an ihre Brust, senkt den Kopf, legt die H\u00e4nde auf seine Brust und f\u00fchlt. T\u00f6berlin genie\u00dft es au\u00dferordentlich, dann h\u00e4lt er es nicht mehr aus und befreit sich, sonst h\u00e4tte er sie gebissen.<\/em><\/p>\n<p>T\u00d6BERLIN:<br \/>\nDa drau\u00dfen ist nichts als die Leere. Ohne Fell bist du ungesch\u00fctzt! Da drau\u00dfen ist nur die M\u00f6glichkeit des Lebens, hier das Leben selbst. Du negierst die Natur, die das Leben in seinen Varianten spielbar macht. Die Gesetzlichkeit der Natur macht uns zu dem was wir sind. Wir erkennen uns im Kampf, im Wettbewerb, an der Lust, am Gewinnen, am Verlieren, am Konkurrenten, am Feind. Nicht in der Meditation. Das was du verteidigst ist \u201edie Liebe\u201c, als hohe Form der Aufmerksamkeit. Der au\u00dfergew\u00f6hnlichste Trick der Natur ist die Liebe, die uns in die Situationen wirft und mit ungeheuren Kr\u00e4ften ausstattet. Die Liebe, ein Mittel, nichts weiter als eine Kraft um alle Facetten spielbar zu machen. Du willst kein Tier sein, aber du bist ein Tier geworden, Far, wie oft habe ich dich t\u00f6ten sehen. Und jetzt ertr\u00e4gst du die Schuld nicht, dass du gefressen hast, wie wir alle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt: Der L\u00f6we Ludwig T\u00f6berlin, Generaldirektor einer gro\u00dfen Bank verl\u00e4sst die Finanzwelt und entwickelt im Exil \u201eein Spiel\u201c mit Hilfe dessen der Nachwuchs das \u201eSpiel liberale Marktwirtschaft\u201c begreifen und partizipieren kann. Far, seine Geliebte, ein Panter, ist ihm gefolgt. Sie will ihr Fell weghaben. Ludwig soll es ihr ausziehen. Er kann es nicht, es gibt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":312,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-330","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=330"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/330\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":860,"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/330\/revisions\/860"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/312"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}