{"id":326,"date":"2015-01-11T13:07:20","date_gmt":"2015-01-11T12:07:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/?page_id=326"},"modified":"2025-01-09T15:50:50","modified_gmt":"2025-01-09T14:50:50","slug":"identitaet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/index.php\/buecher\/identitaet\/","title":{"rendered":"Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-medium\"><a href=\"http:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Identit\u00e4t.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"213\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Identit\u00e4t-213x300.jpg\" alt=\"Identit\u00e4t\" class=\"wp-image-794\" style=\"object-fit:cover\" srcset=\"https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Identit\u00e4t-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Identit\u00e4t-729x1024.jpg 729w, https:\/\/www.johanna-tschautscher.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Identit\u00e4t.jpg 1142w\" sizes=\"auto, (max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"justify-text\">Johanna Tschautscher besch\u00e4ftigte sich zw\u00f6lf Jahre lang mit Organisierter Kriminalit\u00e4t und realisierte in einer dreij\u00e4hrigen Arbeit einen Dokumentarfilm \u00fcber Identit\u00e4t und Organisierte Kriminalit\u00e4t in Sizilien. Sie reiste wiederholt nach Palermo und traf unterschiedliche Menschen im Kampf gegen die Cosa Nostra. In ihrem Buch ver\u00f6ffentlicht sie&nbsp; entstandene Interviews, Gespr\u00e4che und Briefwechsel. Ihre Auseinandersetzung mit der Identit\u00e4t des Menschen beginnt, als sie 1986\/1987 im Fernsehen hunderte M\u00f6rder bei den Maxi Prozessen von Giovanni Falcone in Palermo sieht. Sie stellt sich als junger Mensch wie die Frage, wie diese 860 Menschen zu M\u00f6rdern wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"justify-text\">&#8222;Die Mafia bietet Jugendlichen eine Superidentit\u00e4t, die sie vom Objekt zum Subjekt erh\u00f6ht. Der Drang dieser Gruppe anzugeh\u00f6ren, l\u00e4sst sie sogar zu M\u00f6rdern werden.&#8220; <em>Roberto Scarpinato, Anti-Mafia Palermo<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"justify-text\">&#8222;Unsere Realit\u00e4t hier ist sehr armselig, gepr\u00e4gt von gro\u00dfer Armut. Ich spreche von den Vierteln, wo die Mafia das Nichts ersetzt und wir unser Schulprojekt zur Bewusstseinsbildung f\u00fcr Legalit\u00e4t vorangetrieben haben. Hier ist die Zukunft voll mit Ungewissheiten. Und diese Unsicherheit setzt einen Mechanismus in Gang: Du gibst mir deinen Schutz, ich gebe dir daf\u00fcr mein Vertrauen. Dieses Vertrauen wird zur blinden Abh\u00e4ngigkeit, ohne Fragen, denn allein der Kontakt zum potenten Mann, macht mich selbst m\u00e4chtig.&#8220; <em>Franco Di Maria , Universit\u00e4t Palermo<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:47px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Textausschnit:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGerechtigkeit ist gewiss ein Synonym f\u00fcr Legalit\u00e4t, denn ohne Legalit\u00e4t hat man keine Gerechtigkeit. Aber es ist auch wahr, dass Legalit\u00e4t allein eine volle und umfassende Gerechtigkeit nicht garantieren kann. Die \u00dcberwachung der Normen allein &#8211; so n\u00f6tig sie auch ist &#8211; hat nicht die Kraft die Unterschiedlichkeiten der B\u00fcrger zu \u00fcberwinden. Die sogenannten \u201eArmen\u201c, welche Gr\u00fcnde sie auch immer arm gemacht haben, h\u00f6ren nicht auf arm zu sein, nur weil alle Gesetze \u00fcberwacht sind. Man muss aus der Gerechtigkeit eine t\u00e4gliche Praxis machen, die f\u00e4hig ist jedem das zu geben, was ihm zusteht und es ihm m\u00f6glich macht anst\u00e4ndig zu leben. Diese Aufgabe braucht Legalit\u00e4t aber muss die pers\u00f6nliche Verantwortung von jedem von uns mit einschlie\u00dfen. Stillschweigen und Gleichg\u00fcltigkeit sind nicht neutral: Es sind Komplizen die Legalit\u00e4ten verneinen k\u00f6nnen.<br>Die Worte Jesu Christi, die die Aktionen Padre Puglisis ohne Unterlass angef\u00fchrt haben, sind hart: Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. Starke radikale Vorschl\u00e4ge die \u00fcber die formale \u00dcberwachung des geschriebenen Wortes gehen. Es sind Anstiftungen und Provokationen. Padre Puglisi kannte, lebte, wusste von der Lehre des Guten Samaritas. Kein Gesetz verpflichtete den Samariter dem durch Banditen verletzten zu helfen. So steht es geschrieben und so gingen der Priester und der Levit vorbei. Stehenbleiben, sich einbringen, Hilfe suchen war hingegen die Wahl des Samariters der uns so eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Lektion erteilt, was Gerechtigkeit betrifft. Gerechtigkeit, nicht G\u00fcte: Denn der Samariter ist nicht nur gut. Er rettete das leben eines anderen und das ist allem voran richtig.<br>Don Pino Puglisi, Pfarrer in Brancaccio wurde von der Mafia ermordet auf Grund dieser unbequemen Pr\u00e4senz, er drang in ein Territorium ein, wo die Cosa Nostra ihre \u201eTotale Hegemonie\u201c realisieren wollte. Sein Sakrileg brachte die Organisierte Kriminalit\u00e4t in die Krise, nicht nur auf Grund seiner G\u00fcte, sondern weil er die Legalit\u00e4t als Gerechtigkeit gelebt und beabsichtigt hat. Gerechtigkeit die aus dem Gesetzbuch heraustritt und auf die Stra\u00dfe geht, um den zu suchen, der total verlassen ist, um diese \u201eArmut\u201c zu seiner Sache zu machen und ihr Alternativen zu bieten.<br>Heute ist es schwieriger geworden, diffus rund um eine Kultur eines ernsthaften Zusammenlebens. Der, der sich irrt, oder Gefahr l\u00e4uft sich zu irren, der sieht sich immer st\u00e4rker in die Spirale der letzten Fehler gedr\u00e4ngt, w\u00e4hrend wir, \u201edie anderen\u201c dazu tendieren uns rigide von diesem \u201eSchlechten\u201c abzusondern, \u00fcberzeugt davon (oft ohne geringste Unsicherheit im Herzen), dass wir die \u201eGuten\u201c sind, so \u00fcberzeugt, dass wir unsere eigene Sicherheit mit einer Legalit\u00e4t verteidigen, die die Grenze der Ausdrucksweise jener, die sich irren, \u00fcberschreitet: die Gewalt.<br>Padre Puglisi hat die Legalit\u00e4t nicht ben\u00fctzt, um sich gegen die t\u00f6richten Jugendlichen zu verteidigen, sondern, um sie zu suchen, ihnen Aufmerksamkeit zukommen zu lassen die in die Ver\u00e4nderung f\u00fchren sollte. Er hat ihnen Zeit geschenkt, Raum und Hilfe, auf die beste Art und Weise, die ihm als B\u00fcrger und Christ zug\u00e4nglich war.<br>Das Gesetzbuch auf die Stra\u00dfe zu tragen w\u00e4re uns allen zutr\u00e4glich. Um uns zu einer Gerechtigkeit zu erziehen, die der wahren G\u00fcte nahekommt. G\u00fcte ohne Gerechtigkeit wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu einer schwachen Emotion, die keine Ver\u00e4nderung hervorruft. Jene Ver\u00e4nderung die Padre Puglisi gesucht hat, bis zum Martyrium.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Gian Carlo Caselli, ehemaliger Oberstaatsanwalt der Anti-Mafia Palermo<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt: &nbsp; Johanna Tschautscher besch\u00e4ftigte sich zw\u00f6lf Jahre lang mit Organisierter Kriminalit\u00e4t und realisierte in einer dreij\u00e4hrigen Arbeit einen Dokumentarfilm \u00fcber Identit\u00e4t und Organisierte Kriminalit\u00e4t in Sizilien. Sie reiste wiederholt nach Palermo und traf unterschiedliche Menschen im Kampf gegen die Cosa Nostra. In ihrem Buch ver\u00f6ffentlicht sie&nbsp; entstandene Interviews, Gespr\u00e4che und Briefwechsel. 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